Frauen und Computer? Na klar!

Gemüsekiste KundInnenzeitung Nr. 2/1999 - Frauenausgabe

Die Zeiten, in welchen Frauen, die sich mit „technischen Dingen“ befaßten, schräg angesehen oder gar als „Mannweiber“ bezeichnet und oft ins Abseits gestellt wurden, sind meiner Erfahrung nach im großen und ganzen vorbei (Ausnahmen bestätigen die Regel). Tatsache ist heute jedoch, daß viele Frauen immer noch Angst vor dem technischen Gerät Computer haben. Das betrifft keineswegs nur Frauen jenseits der Wechseljahre, sondern leider und zu einem erschreckend hohen Anteil auch junge Frauen.

Genaugenommen leben wir heute inmitten von Computern, mit denen die meisten Leute umgehen, oft ohne diese Geräte überhaupt als Computer wahrzunehmen. Das geht von der Waschmaschine über den Mikrowellenherd und den Videorecorder im eigenen Haushalt bis hin zur Computerkasse im Supermarkt und dem Geld- und dem Kontoauszugsautomaten bei der Bank.

Der Unterschied zum PC besteht darin, daß diese Computer sehr stark eingeschränkte Aufgaben erfüllen, auf die sie sehr gut angepaßt wurden, wohingegen der PC ein Universalgerät ist. Je mehr Aufgaben für ein Gerät denkbar sind, desto größer ist auch die Fehleranfälligkeit, desto mehr mögliche Situationen müssen die ProgrammiererInnen des Betriebssystems und des Anwendungsprogramms voraussehen und berücksichtigen, denn ohne Anweisung, was im Fehlerfall zu geschehen hat, bleibt ein Computer jeglicher Art einfach stehen. Denn eines steht fest: Computer sind strohdumm!

Ihre Angst vor dem PC drücken viele Frauen mit der Aussage aus, sie befürchteten, „etwas kaputtzumachen“. Also mal ehrlich: Wenn ein einzelner Computer zu Hause wegen eines (groben) Fehlgriffs wirklich mal Daten verlieren sollte, dann ist das kein Beinbruch. Im Zweifelsfall kann frau vorher Sicherungskopien (Backups) erstellen und diese nach einem Totalabsturz wieder einspielen. Firmen machen das heute meist (hoffentlich) standardmäßig, oft ohne daß die MitarbeiterInnen davon etwas mitbekommen. Wenn frau jedoch die Waschmaschine voller Wollwäsche packt und dann das Kochprogramm wählt und einschaltet, dann sind unter Umständen schnell mal 1000 bis 2000 Mark weg – und hier gibt es kein Backup!

Zudem sind heute die meisten Anwendungsprogramme – insbesondere Büroanwendungen wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation usw. – äußerst fehlerresistent, das heißt, die Programme sind aufgrund früherer Erfahrungen auf so viele mögliche und unmögliche Anwenderfehler eingestellt, daß Datenverluste fast nur noch möglich sind, wenn frau mitten in der Arbeit und ohne vorher zu speichern den Stecker rauszieht.

Was die Hardware betrifft, so gilt für EinsteigerInnen, AnwenderInnen und auch für die meisten ProgrammiererInnen der Grundsatz: Software kann keine Hardware zerstören. Die meisten Betriebssysteme sind so aufgebaut, daß die angeschlossenen Geräte (interne Spezial-Chips sowie Tastatur, Grafikkarte und Monitor, Diskettenstation, Festplatte, CD-Rom, CD-Brenner usw.) im Normalfall direkt nur von ganz speziellen Programmen, sogenannten Treibern, benutzt werden. Alle sonstigen Programme sprechen die Hardware nicht direkt an, sondern müssen über diese Treiberprogramme gehen. Damit wird sichergestellt, daß ein Fehler im Anwendungsprogramm nicht zerstörerisch auf ein Gerät wirken kann.

Die Ausnahmen, für die diese Regel nicht gilt, sind System-, Treiber- und oft auch SpieleprogrammiererInnen. Diese müssen besondere Sorgfalt bei der Erstellung ihrer Programme walten lassen. Bei Spielen geht man oft direkt auf die Hardware (speziell auf Grafik- und Soundkarten), weil die Ausführung des Programmcodes dann schneller geht. Aber eine Einsteigerin braucht das eigentlich überhaupt nicht zu interessieren, und schon gar nicht zu belasten.

Ob frau sich mit dem Werkzeug Computer sinnvoll auseinandersetzen kann, hängt stark von der inneren Einstellung ab. Wer sich innerlich gegen den Computer als Werkzeug zur Wehr setzt, ist auch nicht in der Lage, etwas darüber zu lernen – genau das ist jedoch nötig, um die eigenen Vorurteile abzubauen. Wenn der Arbeitgeber also Computer einführt oder wenn frau in eine „neue“ Firma kommt, in welcher Computer eingesetzt werden, und frau hatte vorher noch nichts damit zu tun, dann ist Angst fehl am Platze. Neugierde ist vonnöten!

Von keiner Frau kann erwartet werden, daß sie sich von heute auf morgen in eine Materie einfindet, die so umfangreich ist, daß es Unmengen an Spezialisierungen gibt und niemand von sich behaupten kann, er wüßte alles zu diesem Thema. Wichtig ist es deshalb, daß frau sich in kleinen Schritten an diese Materie wagt und sich weder antreiben läßt noch selbst überfordert. Sinnvoll ist eine Anleitung durch erfahrene BenutzerInnen und/oder durch Bücher, das hängt ganz davon ab, wie frau am besten lernt.

Viel einfacher kann es jedoch sein, wenn bereits Mädchen – genauso wie es bei Jungen ja heute schon fast selbstverständlich ist – an den Computer herangeführt werden, so daß sie damit aufwachsen und die Zusammenhänge verstehen lernen. Es gibt mittlerweile eine ganze Palette sinnvoller Lernspiele, die den Einstieg für Kinder erleichtern. Kinder tragen übrigens im allgemeinen noch nicht die Vorurteile mit sich herum, die wir Erwachsenen oft unbewußt annehmen, bei ihnen siegt noch viel eher die Neugierde, und damit die Fähigkeit, den Umgang mit dem Computer „spielend“ zu erlernen.

Fazit: Frau und Computer? Na klar!

Sabine Becker
Netzwerkadministratorin